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Kulturscheune

mit langer Geschichte

Die Grundstücke Zirkelschmiedsgasse 30 und Pfeifergasse 6 befanden sich im Besitz des Deutschen Ordens und sind urkundlich 1419 erstmals erwähnt. Es handelte sich um eine kleine Hofstatt mit Garten.
Während die Scheune 1424 freistehend errichtet wurde, erfolgte 1560 im Zuge des Brauhausneubaues umfangreiche Umbauten. Sie wurde schließlich bis 1680 als Mälzerei betrieben und blieb jahrhundertlang mit dem Brauhaus verbunden.

Die Altstadtfreunde legten 1986 die Südfassade der Scheune auf eigene Kosten frei und erhielten als Gegenleistung ein Vorkaufsrecht, welches 1990 ausgeübt wurde. Es begannen aufwendige und kostenintensive Sicherungs-, Sanierungs- und Rekonstruktionsarbeiten, die im Oktober 2001 abgeschlossen wurden.

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Infos zum Erdgeschoss

Als 1560/61 nördlich angrenzend (heute Z28) ein Brauhaus errichtet wurde, kam es zu umfangreichen Umbauten in der Scheune. Zum Bierbrauen braucht man Malz, welches die Brauer in der Regel selbst herstellten. Es kann daher als wahrscheinlich angenommen werden, dass in die Scheune eine Mälzerei eingebaut wurde. Hierfür sprechen der gepflasterte Ziegelboden mit einer Abflußrinne in der nördlichen Hälfte, der Einbau von zwei profilierten Eichensäulen jeweils in der Mitte der beiden EG-Unterzüge (die weiteren Säulen wurden 1650 eingebaut) und die Ausstattung des südlichen Kellerraumes.

In der nördlichen Erdgeschosshälfte standen die Quellbottiche. In diese kam die Gerste sowie sauberes Wasser mit einer Temperatur von ca. 10°C bis 15°C. Ein Brunnen im Hof lieferte das Wasser. Die eingeweichte Gerste begann in den Bottichen zu quellen (keimen). Um ein gutes Ergebnis zu erzielen, war es erforderlich, des öfteren das Wasser gegen sauberes bzw. frisches auszutauschen. Dies geschah mittels eines Ablaufhahnes, angebracht am unteren Rand des Bottichs.

Am Ende dieses Herstellungsabschnittes mußte das gesamte Wasser abgelassen werden, bis kein Tropfen mehr herauskam. Von den Quellbottichen lief das Wasser in die Rinne aus Quarzitsteinen und von dort hinaus auf das Straßenpflaster. Die eingeweichte Gerste durfte sich, bevor sie auf die Malztenne verlagert werden konnte, nur noch feucht anfühlen. Die Arbeiter brachten anschließend die Gerste aus den Quellbottichen in den südlichen Kellerraum/Malztenne.

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Im 3. Dachgeschoss/Schwelke wurde das Grünmalz in einer dünnen Schicht von ca. 10 cm Höhe auf dem Bretterboden ausgebreitet. Die sich gegenüberliegenden Schleppdachgauben bewirkten einen raschen Luftwechsel. Er entzog dem Grünmalz das Wasser und brachte den Keimungsvorgang zum Stillstand. Um eine gleichmäßige Trocknung zu erreichen musste das Grünmalz des öfteren mit der Schaufel gewendet werden. War das Grünmalz ausreichend getrocknet, schaufelten es Mälzereiarbeiter durch eine Luke im Bretterboden ins 2. Dachgeschoß/Darre. Dort angekommen wurde es sogleich in einer dünnen Schicht über dem Bretterboden verteilt.

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Warum wurden Lehmfelder eingebaut?

Auf der Westseite wurde 1680 das Dach im 1. und 2. Dachgeschoss um zwei Vollgeschosse (Fachwerkfassade) angehoben. Dies geschah ohne Rücksicht auf die statischen Notwendigkeiten und hatte eine Verschiebung des Dachstuhls zur Folge. Hier fehlen auch die Lehmwickel, so daß der Mälzereibetrieb wohl 1680 endete. Danach erfolgten viele Besitzwechsel und Nutzungsänderungen. Erst 1873 wurde das Bierbrauen im Brauhaus eingestellt und die Scheune an einen Kohlenhändler verkauft. Die Kohlenhandlung bestand bis 1960.

Bei der Bestandsaufnahme (ab 1990) durch die Altstadtfreunde wurden alle Bauteile begutachtet und Lösungen erarbeitet. Gefährlich ausgebaucht waren die Wände zum Hof Pfeifergasse 6. Die Dachlast wurde im Gebäudeinneren abgefangen und die Wände 1996 handwerklich in Bruchstein und Fachwerk neu aufgebaut.

Seit 2001 dient die Scheune den Altstadtfreunden als Lagerraum. Im Dachgeschoss befinden sich Ausstattungsteile wie Türen, Fenster, Treppen und vielen anderen - teils historischen - Fundstücken genutzt, die bei Restaurierungen von Häusern wieder Verwendung finden sollen. Im Erdgeschoss jedoch hat sie sich über die Jahre zur „Kunst- und Kulturscheune“ entwickelt mit Konzerten, Theater und Ausstellungen. Darüber hinaus kann die Scheune auch für private Feiern gebucht werden.

Der mittlerweile verstorbene Ehrenvorsitzende der Altstadtfreunde, Dr. Erich Mulzer nannte das Ensemble zwischen Schotten- und Pfeifergasse zu Recht eine Denkmalsinsel und fuhr fort: „Leider wird diese reizvolle, dank einer Bürgerinitiative (eben den Altstadtfreunden) erhaltene und restaurierte Baugruppe viel zu wenig gewürdigt.“